10 Tipps für die kreative Naturfotografie

10 Tipps für die kreative Naturfotografie

Der Frühling ist da! Die Natur ist aus dem Winterschlag erwacht und zeigt endlich wieder ihr wunderschönes Farbenspiel – ein Traum für Fotografen. Doch wie entsteht das perfekte Naturfoto? Fotografin Tamara Skudies ist Expertin für Naturaufnahmen. In ihren Bildern inszeniert sie die kleinen Details und überzeugt durch Ausdruckskraft und Anderartigkeit. Nachfolgend hat sie ihre 10 Tipps für kreative Naturfotografie aufgelistet, die jedem Fotografen vielleicht ein wenig Inspiration für den nächsten Spaziergang im Freien liefern.

(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Tamara Skudies, aufgenommen mit Objektiven von Meyer-Optik-Görlitz)

 


11. Die Inszenierung der Natur: Auf die Tageszeit kommt es an

Neben dem zu fotografierenden Motiv ist für die Naturfotografie inbesondere ein Faktor entscheidend: Das richtige Licht! Das perfekte Licht für mein Motiv hängt stark davon ab, wie ich es in meinem Bild zeigen möchte. Zunächst mache ich mir konkrete Gedanken WAS genau ich fotografieren möchte, WO in der Natur ich dieses Motiv vorfinde und schlussendlich WIE ich es darstellen möchte. Habe ich eine konkrete Vorstellung über diese drei Punkte, kommt das WANN ins Spiel. Denn für das perfekte Naturfoto ist entscheiden, wann das Licht so günstig steht, dass ich die Lichtstimmung ideal einfange. Daher nehme ich mir auf meinen Spaziergängen bewusst die Zeit meine Augen offen zu halten und auch häufig mehrfach an der gleichen Stelle zu halten. Ich studiere meine Umgebung förmlich und erlange so häufig viel schönere Stimmungen als bei Fotos, die ich nur schnell „im Vorbeigehen“ schieße.

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2. Die Umgebung rundet ein Bild ab: Der richtige Standpunkt

Anders als mit dem Licht, kann ich mit der Umgebung meines Motivs oft nicht spielen und auf den richtigen Einfall warten. Die Umgebung ist oft statisch und kann nicht verändern werden. Also studiere ich das Umfeld meines Motivs. Ich schleiche so lange um mein Motiv herum, bis ich einen schönen Mix aus Motiv und Hintergrund sehe. So verhindere ich zum Beispiel, dass im Hintergrund unschöne Asphaltwege und langweilige Mauern vom Kern meines Bildes ablenken.

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3. Das besondere Etwas: Die richtige Farbwahl

Eines der entscheidensten Stilmittel, wenn ich in der Natur fotografiere, ist die richtige Farbwahl. Daher mache ich mir oft die Umgebung und das Licht zu Nutzen. So kann ich beispielsweise mit einem schönen Blatt aus einem Häufchen Herbstlaub im Hintergrund, farbliche Akzente setzen und die Tonalität des Motivs aufgreifen.

Laub lässt sich auch als eine Art Farbfolie nutzen. Die Sonne kann zum Beispiel durch farbige Blätter hindurch auf mein Motiv leuchten und einen interessanten Farbakzent setzen. Diese kleinen Stilmittel der Natur können einem Bild das besondere Etwas verleihen, welches es einzigartig und einfach schön macht.

Persönlich ist mir dabei aber wichtig, keine lebenden Pflanzen aus dem Boden zu reißen oder ganze Äste abzubrechen – aber kleine Modifizierungen dürfen es schonmal sein. Noch ein kleiner Tipp: Es kann auch sehr interessant sein, einfach gegensätzliche Farben zu kombinieren – sie verstärken sich und sorgen für tolle Effekte!

4. Ein paar Kniffe und Tricks: Veränderungen an meiner Kamera

Um sich wirklich von den großen Massen an Naturfotos abzuheben und das Besondere in seiner Fotografie zu wecken, braucht es etwas Kreativität. Dabei sind wie immer, der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Grundsätzlich muss jeder Fotograf für sich selbst seine persönlichen Kniffe und Tricks herausfinden, aber ein paar kleine Ideen zum Ausprobieren verrate ich hier gerne: Gesprungene oder komplett zerplatzte Filter bringen in Verbindung mit Gegenlicht wunderbare Reflektionen. Vaseline auf einem Schutzfilter zeichnet gezielt Teile des Bildes weich. Gezielte Flares entstehen durch bunte Taschenlampen, mit denen ich seitlich ins Objektiv leuchte.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – probiert alles aus!

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5. Ein wenig Spielerei: Verschiedene Einstellungen ausprobieren

Habe ich mich für ein Motiv entschieden, fotografiere ich es fast immer in verschiedenen Einstellungen und aus verschiedenen Blickwinkeln. Ich spiele mit dem Motiv, variiere die Blende und die Iso. Beides wirkt sich stark auf die Darstellung des Motivs aus und wieder zu Hause angekommen, kann ich am Bildschirm in Ruhe entscheiden, welches Bild mir am besten gefällt. Manchmal habe ich sogar verschiedene Kameras dabei und fotografiere analog und digital. Es kommt nicht selten vor, dass für das eine Medium bei dem gewählten Motiv super funktioniert, ich von den Bildern der anderen Kamera aber etwas enttäuscht bin. Im Endeffekt habe ich lieber eine Vielfalt an Bildern, statt im Nachhinein zu limitiert zu sein.

76. Festbrenntweiten verwenden

Ich bevorzuge Festbrennweiten und fotografiere fast immer mit ihnen. Zum einen wähle ich Festbrennweiten, da diese fast immer lichtstärker sind, was mir wiederrum mehr Optionen und Spielraum für den Hintergrund gibt. Viel wichtiger aber noch ist mir die Hintergrundabbildung – das Bokeh ist bei Festbrennweiten immer sauberer, cremiger, schöner und homogener. Außerdem führen sie mich zu Punkt 7…

 

7. Zubehör ausprobieren

…Festbrennweiten haben durch ihre hohe Blendenöffnung und oft viel bessere Abbildungsleistung einen riesigen Vorteil: Ich kann mit Zubehör arbeiten. Oft verwende ich Zwischenringe, Adapter oder Konverter. Dieses Zubehör nimmt mir immer etwas Licht bei meinen Bildern weg. Dann ist es von Vorteil, wenn der Sucher meiner Kamera trotzdem hell genug ist, um in Ruhe zu Fokussieren. Durch die verschiedenen Hilfsmittel kann ich so aus einem einzelnen Objektiv viele tolle Charaktereigenschaften herauskitzeln, die sich im Endeffekt in den Bildern wiederspiegeln.

8. Nimm dir die Zeit: Ruhe bewahren und beobachten

Manchmal spaziere ich los, habe direkt ein tolles Motiv gefunden, aber es gelingen mir einfach keine Bilder, wie ich sie mir vorstelle. Das frustriert! Aber über die Jahre habe ich festgestellt, dass es an mir liegt, weil ich in dem Moment einfach nicht die nötige Ruhe habe. Manchmal sehe ich nach dem Aufwachen tolles Licht in meinem Garten, habe das atemberaubende Foto schon vor meinem geistigen Auge und rase direkt mit den Kameras in der Hand los. Wenn es dann nicht sofort so klappen will, liegt es oft daran, dass ich zu hektisch bin, meinem Blick nicht genug Zeit für die Motive und die Umgebung gebe. Dann gilt bei mir: kurz durchatmen, sammeln, den Gedanken freien Lauf lassen und es nach 50 Metern noch einmal versuchen. Naturfotos leben von Emotionen und Energien – die kann ich nur transportieren wenn ich sie auch sehe und fühle. Wenn meine Stimmung mal nicht passt, werden auch die Fotos nichts. Dann gehe ich einfach an einem anderen Tag erneut los. Denn: Naturfotos sollen ja Spaß machen. 🙂

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9. Wieder zu Hause: Nachbearbeitung gibt den letzten Schliff

Bei mir geht eigentlich kein Foto unbearbeitet online oder zum Druck. Denn auch die Nachbearbeitung kann Spaß machen. Entweder ich benutze im Vorfeld abgelaufene, besonders bunte oder modifizierte Filme, oder ich beschäftige mich mit Hilfsmitteln (Punkt 4). Wenn ich digital fotografiere, steht mir mit Bildbearbeitungsprogrammen natürlich immer noch ein zusätzlichen Gestaltungsmittel zur Verfügung. Ich kann Serien aneinander anpassen, Farben verändern und Collagen erstellen. Ich liebe das! Und auch hier gilt wieder: Alles ausprobieren!

Die handelüblichen Programme geben mir nahezu unzählige Möglichkeiten an meinen Bildern feilen. In der Fotowelt von heute gibt es unendlich viele Fotografien – und alle sehen gleich aus. Lasst uns bunt, schrill, verrückt und anders sein! Die Welt ist BUNT! Und das will ich mit meinen Bildern zeigen!

10. Fertig: Medium beim Druck

Ich finde ja, dass Bilder gezeigt werden sollen. Was nützt das schönste Bild, wenn es auf dem Computer versauert? Deshalb drucke ich mir alle Fotos aus, die ich schön finde. Dabei wird es interessant! Denn heute stehen mir mit unendlich vielen Papiersorten, Filmarten, Programmen und Techniken so viele kreative Optionen zur Verfügung. Allerdings muss sich ein Fotograf auch hier mit den Möglichkeiten beschäftigen: Ein schrilles und buntes Blümchenfoto passt eher zu einem glänzenden Papier und einem FineArt Tintendrucker mit CMYK und RGB Tinten – ein träumerisch, homogen gefärbtes Landschaftsfoto vielleicht besser auf eine Leinwand und ein gescanntes Analogfoto vielleicht nicht unbedingt hinter eine Acrylglasscheibe. Welche Druckmedien einem da am besten gefallen ist natürlich Geschmackssache und jedem selbst überlassen – aber ich würde behaupten, dass nicht jedes Motiv auf jedem Medium optimal aussieht. Und wieder kann ich nur den Tipp geben: Probiert es einfach aus… So mache ich es immer 🙂

Jetzt bleibt mir nichts weiter übrig als Euch viel Spaß und Freude in der Natur zu wünschen. Schnappt euch eure Kamera und zieht einfach los. Es gibt so viel zu entdecken! 😉


(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Tamara Skudies, aufgenommen mit Objektiven von Meyer-Optik-Görlitz)

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