Oberwerth fragt nach: Carsten Bockermann


Bilder: ©Carsten Bockermann

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Interview mit Carsten Bockermann

Unser Brand Ambassador und Oberwerth-Freund Carsten Bockermann blickt auf über vier Jahrzehnte Erfahrung hinter der Kamera zurück. Bereits 1976 entdeckte er sein Interesse an der Fotografie. Seit Anfang der 1990er Jahre betreibt er sie mit großer Leidenschaft und hat ihren Wandel im Laufe der Zeit hautnah miterlebt. Wir haben uns mit Carsten getroffen und ein wenig geplaudert.

Oberwerth: Hallo Carsten, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast uns ein wenig aus über 40 Jahren Fotografie zu berichten. Zunächst fotografierst Du ja nicht hauptberuflich, aber dennoch ist die Fotografie für Dich weit mehr als nur ein Hobby. Zurück zu den Anfängen: Wie hast Du zur Fotografie gefunden und woher entspringt Dein Enthusiasmus für das Bild?

Carsten Bockermann: Ich glaube, die Faszination für Fotografie begann für mich als kleiner Junge. Meine Eltern und ich konnten damals nicht sehr viel reisen. Wir sahen die Welt mit den Augen von Robert Lebeck, Thomas Höpker und anderen, die ihre Reportagen zum Beispiel im STERN veröffentlichten. Übrigens habe ich Thomas Höpker später einmal kennengelernt und ihm erzählt, dass er eine Mitschuld an meiner Foto-Leidenschaft trägt.
Anfang der 1990er Jahre wurde es dann ernsthafter. Ein Freund, der durch seinen Beruf einige Jahre in den USA gelebt hatte, machte mich auf die Gruppe von Fotografen rund um das National Geographic Magazine aufmerksam. Auch das Angebot von Foto-Workshops mit bekannten Fotografen war damals neu für mich. Später habe ich dann selbst Workshops besucht, so zum Beispiel mit David Alan Harvey, Alex Webb und William Albert Allard.

Die Fotografie ist ja kein Selbstzweck, sondern ein Medium zum Erzählen von Geschichten, und so wurde mir in dieser Zeit auch immer deutlicher, was ich eigentlich fotografieren und mitteilen möchte.

Oberwerth: Das Erzählen von Geschichten ist auch ein zentrales Element Deiner Bilder. Wie würdest du Deine Fotografie beschreiben?

Carsten Bockermann: Im Zentrum meiner Bilder stehen fast immer Menschen in ihrer Umgebung. Zu Anfang fand ich die augenscheinlichen Unterschiede zwischen den Kulturen der Länder, die ich bereiste, ausgesprochen interessant. Mit der Zeit fand ich dann die Gemeinsamkeiten spannender als die Unterschiede. Am meisten Freude habe ich, wenn es mir gelingt, einen Universal Moment aufzunehmen, also eine Situation, die überall auf der Welt verstanden wird.

Oberwerth: Die Fotografie hat Dich im Laufe der Jahre an viele unterschiedliche Orte weltweit geführt, so dass Du Deine Bilder selbst als „Travel Documentary“ bezeichnest. Welche Story war für Dich rückblicked die Spannendste? Und welches Land würdest Du als ein absolutes Highlight bezeichnen?

Carsten Bockermann: Da kann ich kein Ranking aufstellen. Ich habe mich in keinem Land gelangweilt, weil ich gerade durch die Fotografie überall interessante Menschen kennenlerne. Das funktioniert sogar zuhause in Deutschland, auch wenn das Fotografieren in der vertrauten Umgebung eine ganz eigene Herausforderung ist.

Aber auch exotische Länder können schwierig sein. So fand ich es beispielsweise in Indien sehr anstrengend, den Klischee-Ansichten aus dem Weg zu gehen. Die visuellen Eindrücke dort sind zunächst überwältigend. Da muss man sich schon sehr konzentrieren, um das zu zeigen, was einem wichtig ist.

Einen ganz besonderen Stellenwert hat für mich seit ein paar Jahren des US-Bundesstaat Montana. Ich habe 2011 dort einen Workshop mit Willam Albert Allard besucht, der ja für seine Bilder des amerikanischen Westens bekannt ist. Danach fuhr ich ein paar Tage dort herum und fühlte mich sofort zuhause. Seitdem bin ich jedes Jahr mindestens vier Wochen dort. Im kommenden Jahr wird es auch eine Ausstellung meiner Bilder aus Montana geben.

Oberwerth: Du scheust Dich nicht davor, auch mal die Komfortzone zu verlassen und eben Länder wie beispielsweise Indien zu bereisen. Neben Deinem jährlichen Trip über den großen Teich, welches Projekt hast du Dir als nächstes vorgenommen?

Carsten Bockermann: Ein Thema, das aktuell viele Menschen zu Recht bewegt, ist das Verschwinden vieler Tierarten, in erster Linie durch Wilderei und Zerstörung von Lebensraum. Doch gibt es hier nicht ausschließlich schlechte Nachrichten. So entdecken die Menschen beispielsweise in manchen Regionen Afrikas, dass die Tiere schützenswert sind und sogar wirtschaftliche Vorteile bringen können, etwa durch Tourismus. Ich habe da ein Projekt vor Augen, kann aber aktuell noch nichts genaueres dazu verraten.

Oberwerth: Afrika klingt sehr spannend und ist auf jeden Fall ein sehr aufregender Kontinent. Wir sind gespannt, wie Dein Projekt  konkret aussehen wird. Wir wollen das Hier und Jetzt mal ein wenig verlassen und über die Fotografie im Allgemeinen sinnieren. Wie bereits erwähnt, fotografierst Du bereits seit über 40 Jahren. Wie hat sich die Fotografie im Laufe der Zeit verändert? Und wie fällt Dein Fazit aus – positiv oder negativ?

Carsten Bockermann: Die Fotografie hat sich aus meiner Sicht in zwei Aspekten ganz wesentlich verändert.

Der eine betrifft die Technik der Aufnahme. Ich habe zwar mit Film fotografieren gelernt, trauere ihm aber ganz sicher nicht nach. Die Digitaltechnik hat uns Möglichkeiten eröffnet, die es mit Film nie gab, und die Bildqualität ist ohne Frage überlegen. Andererseits hat das chemische Verfahren, besonders bei der Verwendung von Diafilm, eine ganz andere Disziplin erfordert. Man musste schon bei der Aufnahme alles „richtig“ hinbekommen, denn es gab praktisch keine nachträgliche Korrekturmöglichkeit.

Der andere Aspekt ist die Publikation von Bildern. Jeder kann heute seine Bilder einem breiten Publikum zugänglich machen. Die daraus resultierende Bilderflut macht es den Betrachtern nicht leicht, die wirklich interessanten Fotos zu finden.

Oberwerth: Neben der Fotografie an sich verändert sich natürlich auch eine Ausrüstung über die Jahre. Was war Deine erste Kamera und welchem System vertraust du heute?

Carsten Bockermann: Ich kann immerhin von mir behaupten, schon zum zweiten Mal auf spiegellose Kameras umgestiegen zu sein… (lacht)

Meine erste „richtige“ Kamera war eine Nikkormat FT2, eine Spiegelreflex von Nikon. Danach kamen weitere Modelle dieses Herstellers dazu. Anfang der 1990er kaufte ich dann eine Leica M6, zunächst eigentlich nur, um eine diskretere Kamera neben den SLRs zu haben. Doch ich fand das Arbeiten mit einer Messsucherkamera so gut, dass ich komplett darauf umstieg.

Im Jahr 2004 kaufte ich dann, mehr aus Neugier auf die digitale Fotografie, eine Nikon D70. Da Leica damals noch nichts in diesem Bereich anzubieten hatte und ich von den Möglichkeiten der Digitaltechnik fasziniert war, arbeitete ich wieder mit, diesmal digitalen, Spiegelreflexkameras.

Auf der Photokina 2010 sah ich einen Prototyp der Fuji X100 und wurde Anfang des Folge­jahres einer der ersten Kunden in Deutschland. Seitdem bin ich Fuji treu geblieben und nutze heute meistens die X-Pro2 und die X100F. Ich mag einfach das Arbeiten mit einem optischen Sucher. Außerdem verdecken diese Kameras das Gesicht des Fotografen nicht so wie eine große DSLR, was gerade beim Fotografieren von Menschen ein großer Vorteil ist.

Oberwerth: Carsten, wir bedanken uns ganz herzlich für das interessante und aufschlussreiche Gespräch. Zum Abschluss bleibt uns nur übrig, Dir viel Spaß und interessante Eindrücke auf Deinen kommenden Reisen zu wünschen. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn du im Nachgang noch einmal die Zeit findest uns ein wenig teilhaben zu lassen.

Carsten Bockermann: Vielen Dank und sicher, gerne. Bis bald!


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